Probleme lösen mit dem analdilatator TD1/TD2

Interview mit Dr. W. Lans, Veenendaal, Niederlande

? Wie häufig sind anale Beschwerden?
! Etwa 80 % der Bevölkerung hat 1x oder öfter anale Probleme, etwa 25 % davon sind behandlungsbedürftig.

? Welche Probleme sind am häuftigsten?
! In unserer proktologischen Sprechstunde sind Blutungen am häufstigsten (>50%), gefolgt von Schmerzen, die meist mit Hämorrhoiden in Verbindung gebracht werden, aber an sich kein Symptom für Hämorrhoiden sind, sondern vor allem bei Fissuren, Abszessen, Fisteln, Perianalthrombosen auftreten. Weitere Beschwerden sind Schmieren und Nässen, etwa 20 % geben auch Pruritis oder Brennen an. Schwellungen und Defäkationsstörungen sind eher selten.

? Welche Erkrankungen stecken hinter diesen Symptomen?
! Fast 100% der Patienten meinen, daß sie Hämorrhoiden haben, das ist ein weit verbreiter Irrtum. Das Hämorrhoidalleiden ist zwar häufig, entpuppt sich dabei aber meist als Nebenbefund bei Fissuren, Fisteln, Polypen oder - seltener – Karzinomen.

? Geht dem Arztbesuch in der Regel eine lange Leidensgeschichte voraus?
! Ja, manchmal viele Jahre der Selbsmedikation, ohne zu wissen, was wirklich los ist, aus Angst und Scham. Auch wenn Patienten dann den Hausarzt befragen, ändert sich die Situation nicht unbedingt. Leider sind viele Ärzte an dieser Indikation nicht interessiert oder haben keine ausreichenden Kenntnisse. Daher wünschen wir uns daß man den Patienten, die immerhin schon den ersten Schritt getan haben, auch die Chance gibt, eingehend untersucht zu werden, damit die Beschwerden definitiv abgeklärt werden können.

? Für welche Patienten ist ein Analdilatator geeignet?
! Für sehr viele Patienten, in erster Linie:

  • bei Analfissuren, sowohl akut al sauch chronisch;
  • bei Sphinkterschwäche;
  • bei Spinkterhypertonie, weil die Elastizität gefördert wird;
  • bei allen Arten von Analschmerzen oder Juckreiz;
  • bei Perianalrhagaden sowie
  • nach Operationen von Fisteln und Polypen zur vermeidung von Srtikturen.

? Was unterscheidet den TD1 bzw. TD2 von anderen Analdilatatoren?
! Der wichtigste Unterschied ist die Form: der Sagittaprokt TD ist zylindrisch, die anderen sind konisch. Aber erst durch die zylindrische Form erreicht man den Sphinkter über die gesamte Länge. Ein weitere Vorteil von Sagittaprokt TD1 und Sagittaprokt TD2 ist, daß sie auch mit Wasser aufgefült und als Kühlstab eigesetzt werden können, ohne das Risiko von Erfrierungsnekrosen einzugehen.

? Welche Wirkung wird mit dem TD1 bzw. TD2 erzielt?
! Erstens eine physiologische, isometrische Aufdehnung des Analkanals, insbesondere bei Sphinkterhypertonie, zweitens eine Verbesserung der Spinkterelastisität durch das Muskeltraining und drittens eine Verbesserung des Blutabflusses infolge der Förderung der Durchblutung. Schließlich kann der Kühlstab Schmerzen und Juckreiz lindern.

? Können Operationen vermieden werden?
! Ja, vor allem bei Analfissuren, bei Spinkterstrikturen und auch bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades, weil dadurch wiederholte Ligaturen und Sklerosierungen vermieden und Kosten eingespart werden.

? Kann der Patient die Therapie ohne Arzt durchfüren?
! Ja und nein. Die Behandlung selber wird dem Patienten vom Arzt erklärt, so daß er sie dann allein zuhause durchführen kann. Aber der Arzt sollte den Patienten kontrollieren, damit nicht zu kurz therapiert wird – dazu neigen Patienten vor allem bei frisch abgeheilten Fissuren – und es überflüssigerweise zu Rezidiven kommt. Die meisten Patienten brauchen nur einmal im Leben eine solche Behandlung und sind dann auf Dauer beschwerdefrei. Kommt es dennoch zu Rezidiven, wird der Patient von sich aus wieder die Behandlung einleiten und das ist auch nicht zu beanstanden, da es praktisch keine Risiken gibt. Allerdings sollte jeder Patient intensiv darüber aufgeklärt werden, daß er sich bei jeder Blutung unbedingt untersuchen lassen muß.

? Welche Empfehlungen sollte man den Hausärzten geben?
! Sich keinesfalls auf die "Diagnose" des Patienten zu verlassen, sondern immer eine gründliche Untersuchung durchzuführen, die mindestens eine Proktoskopie umfassen und an deren Ende die sichere Diagnose stehen muß. Bei Blutungen ist eine frühzeitige Coloskopie nicht kostentreibend, sondern vermeidet spätere Kosten und schwerwiegende Folgen für den Patienten. Auch solten so wenig wie möglich Salben, Cremes und Suppositorien – besonders die kortikosteroidhaltigen – verordnet werden. Sie sind in aller Regel nicht effektiv, verursachen unnötige Kosten und haben langfristig ein hohes Sensibilisierungspotential

Bron: PraxisErfolg, oktober 1998